Von der Tantramassage zur Schoßraumarbeit

In den etwa 35 Jahren seit dem Aufkommen von Tantramassagen bzw. Yoni-Massagen in Deutschland hat sich viel getan. Insbesondere für Frauen – inzwischen ging die Entwicklung bis zu ganzheitlichen Schoßraumarbeit bzw. Schoßraumprozessarbeit.

Die Entwicklung von den 1990ern bis heute

Bild aus dem Buch Yoni-Massage Michaela Riedl - Schoßraumarbeit
Bild aus dem Buch „Yoni-Massage“ von Michaela Riedl

Mitte/Ende der 1990er Jahre eröffneten die ersten Tantramassageinstitute in Köln, Stuttgart und Berlin. Hauptsächlich lebten sie von männlichen Kunden, nur wenige Frauen trauten sich an eine Tantramassage mit intimer Yoni-Massage heran.

Die Yoni-Massage als Teil der Tantramassage

Mit dem Erscheinen des Buches „Yoni-Massage“ in 2005 von Michaela Riedl, Mitbegründerin von Ananda und AnandaWave in Köln, wurde die Yoni-Massage bekannter. Die Medien berichteten darüber und immer öfter fanden Paare und einzelne Frauen den Weg zur Tantramassage.

In 2006 entstand übrigens die erste Version dieses Yoni-Massage-Infoportals als ehrenamtliches Projekt. Gleichzeitig begaben sich immer mehr Frauen auf einen Yoni-Erforschungsweg in Frauengruppen.

Die Schoßraumarbeit ist noch jung

In der 2000er-Jahren entwickelte sich parallel zu immer mehr Tantramassage-Instituten auch eine breite Szene von Masseurinnen, die sich insbesondere für die Heilungsaspekte der Intimmassage interessierten. Da es vielen Frauen so geht, dass sie sich nicht einfach zu jemand Fremden begeben und sich intim berühren lassen möchten, entstand nach und nach ein behutsamerer Ansatz. Diesen kann man heute unter dem Begriff Schoßraumarbeit zusammenfassen. Schoßraumarbeit wird immer von Frau zu Frau gemacht.

Sich behutsam an die sexuellen Themen rantasten: Schoßraumarbeit in der Einzelsession

In der Schoßraumarbeit ist mehr Zeit und Gelegenheit als in der klassischen Tantramassage bzw. Yoni-Massage sich aneinander heranzutasten und das sexuelle Thema zu benennen.

Es gibt (körpertherapeutische) Methoden wie Yoni-Talk, Gebärmutter-Talk, Mediationen, Atemarbeit, schamanische Rituale oder Berührung, um Schritt für Schritt vorzugehen. So kann eine Frau beispielsweise eine Serie aus mehreren Sitzungen in Schoßraumarbeit buchen, innerhalb derer sie sich langsam an ihr Thema herantastet. Hat sie eine Missbrauchserfahrung? Sorgt sie beim Sex zu wenig für ihre Bedürfnisse? Hat sie ein Operation gehabt? Geht es ihr beispielsweise darum, Grenzen in der Sexualität besser zu spüren und zu setzen, kann das erst besprochen werden, dann bekleidet gespürt und geübt werden, bis es dann vielleicht erst in der 5. Sitzung zu einer Intimmassage kommt. Oder auch nicht, den Schoßraumarbeit kann Frau auch ohne Yoni-Massage erleben.

Szene aus dem Jahrestraining Tempel der Weiblichkeit

… oder im Selbsterfahrungsseminar bzw. Jahrestraining mit anderen Frauen

Es gibt auch Selbsterfahrungsseminare mit Schoßraumarbeit, in denen es überhaupt nicht um Yoni-Massage geht, sondern darum, gut in Kontakt mit dem eigenen Schoßraum zu kommen z.B. über angeleitete Meditationen, Gebärmutter-Talk oder ähnliche Methoden.

Mayonah Bliss, seit Jahrzehnten eine Pionierin der Yoni-Arbeit, bietet mit ihrem Team ein ganzes Jahrestraining mit Schoßraumarbeit für Frauen an, den Tempel der Weiblichkeit.

Schoßraumarbeit gibt es mit oder ohne Intimmassage

Die Schoßraumarbeit entwickelt sich sich in den letzten Jahren sehr dynamisch. Es gibt Ausrichtungen mit und ganz ohne Yoni-Massage.
Die Schoßraum-Prozessbegleitung von Tatjana Bach hört beispielsweise beim Handauflegen, der Intimberührung, auf.

Andere Anbieterinnen von Schoßraumarbeit oder Schoßraumbegleitung hingegen bieten neben der behutsamen Annäherung durchaus auch den nächsten Schritt, die Yoni-Massage an, wenn die Frau das wünscht. Dies macht auch Sinn – gerade therapeutisch – denn wenn man behutsam Vertrauen aufgebaut und die Themen vorbereitet hat, ist es sinnvoll als Masseurin und Klientin miteinander in das praktische Spüren oder auch das praktische Einüben von Grenzen zu gehen und die Frau nicht mit der praktischen Umsetzung in der Sexualität alleine zu lassen.

Bei der Frage ob mit oder ohne Intimmassage gilt also am besten: Bei Fragen wenden sich Frauen an die Frauenmasseurin und besprechen, was sie genau anbietet, wohin sich die gemeinsamen Sessions entwickeln können  und wo sie ihre Grenze setzt.

Der Schoßraum-Begriff

Schoßraumarbeit, Schoßraumseminar, Schoßraummassage, Schoßraum®-Prozessbegleitung …

Es gibt – bedingt durch die dynamische Entwicklung dieser körpertherapeutischen Ansätze – manchmal etwas Verwirrung rund um die Begrifflichkeiten der Schoßraumarbeit. Tatjana Bach hat sich den Begriff „Schoßraum®“ als Marke schützen lassen. So verwenden sie und die von ihr ausgebildeten Schoßraum®-Prozessbegleiterinnen Bezeichnungen wie Schoßraum®-Berührung, Schoßraum®-Prozessbegleitung usw. – erkennbar an dem ®.

Andere Anbieterinnen verwenden auch Begriffe wie „Schoßraumarbeit“, Schoßmassage“ oder „Schoßraummassage“. Und unter diesem Begriff findet man ebenfalls qualitative Ansätze anderer gedanklicher Schulen. Beispielsweise haben sich verschiedene Anbieterinnen von Schoßraumarbeit hier im Verein „Erwachte Weiblichkeit e.V.“ organisiert.

Ausbildung in Schoßraumarbeit

Auf der Suche nach Ausbildungsmöglichkeiten ist zuerst das Schoßraum-Institut mit der Ausbildung in Schoßraum®-Prozessbegleitung nach Tatjana Bach zu nennen. Inzwischen integrieren aber auch verschiedene Anbieter von Ausbildungen in Yoni-Massage ebenfalls Elemente der Schoßraumarbeit, zum Beispiel das Perlentor. Mehr Infos dazu sind hier auf der Unterseite Ausbildungen gelistet.